Strategie zur biologischen Ampferbekämpfung

„Sowohl der Stumpfblättrige Wiesenampfer (Rumex obtusifolius) als auch der Krause Ampfer (R. crispus) haben zwei Eigenschaften, die sie im intensiven Wirtschaftsgrünland besonders hartnäckig und konkurrenzstark machen. Beide Ampferarten haben ein hohes Vermehrungspotential. Eine einzige Ampferpflanze kann tausende langlebige Samen produzieren, die im Boden auf gute Keimbedingungen warten und über den Wirtschaftsdünger am Betrieb verbreitet werden können (Samenunkraut). Da der Ampfer Lichtkeimer ist, benötigen die Samen allerdings Lücken im Bestand. Sobald sich diese auftun bzw. die Samen mit dem Dünger auf lückigen Bestand aufgebracht werden, keimen sie. Die zweite Eigenschaft ist das starke Wurzelsystem etablierter Pflanzen, das große Mengen an Speicherstoffen einlagern kann. Sobald die Ampferpflanze ihr Wurzelsystem ausgebildet hat, nutzt sie die eingelagerten Speicherstoffe, um rasch im Frühjahr oder nach einem Schnitt eine große Blattrosette auszubilden. Diese unterdrückt die umgebenden Gräser und Kräuter und bildet wiederum Speicherstoffe, die in die Wurzel eingelagert bzw. zur Samenproduktion verwendet werden können. In regelmäßig gemähten Beständen auf nährstoffreichen Böden ist Ampferpflanzen mit etabliertem Wurzelsystem somit nur schwer beizukommen. Hinzu kommt die große Regenerationskraft auch kleiner Fragmente des Pfahlwurzelkopfs (Sprossteil). Werden die Pflanzen nicht gründlich genug ausgestochen oder werden sie durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen lediglich zerkleinert, können Knospen an den übriggebliebenen Sprossteilen wieder austreiben. Dadurch kann es im Zuge von mechanischen Ampferbekämpfungsmaßnahmen sogar zu einer Vermehrung des Ampferbestandes kommen.

Eine Strategie zur Biologischen Ampferbekämpfung muss an beiden Stärken der Ampferpflanzen, dem hohen Vermehrungspotential und den robusten Speicherwurzeln ansetzen. Die Basis für eine erfolgreiche biologische Ampferbekämpfung ist die Anlage und Erhaltung einer möglichst geschlossenen, konkurrenzstarken Wiesengesellschaft, die das Vermehrungspotential hemmt, indem sie das Keimen der Samen und das Aufkommen der vergleichsweise konkurrenzschwachen Keimlinge unterdrückt. So kann die ständige Erneuerung der Ampferpopulation aus dem großen Samendepot im Boden und im Düngerkreislauf unterbunden werden.

Die Verhinderung einer weiteren Versamung von Ampferpflanzen muss oberste Priorität haben. Eine biologische Regulierungsmethode hat also das grundlegende Ziel, Ampferpflanzen nachhaltig so zu schädigen, dass diese keine keimfähigen Samen produzieren können.

Sobald eine Ampferpflanze ihr großes Wurzelsystem ausgebildet hat, bleibt sie auf nährstoffreichen Böden auch bei optimaler Bestandesführung hartnäckig. Will man einen etablierten Ampferstock nachhaltig schwächen oder zum Absterben bringen, muss man sein Wurzelsystem zerstören oder zumindest stark beeinträchtigen. Darin sind die Reservestoffe gelagert, die der Pflanze die hohe Samenproduktion und die Ausbildung der großen Blattrosette ermöglichen. Es gibt in Österreich einige potentielle Nutzorganismen, die sich von verschiedenen Teilen der Ampferpflanzen ernähren (siehe Beitrag zur Biologischen Ampferbekämpfung mit Nutzorganismen). Die meisten von ihnen leben an den oberirdischen Pflanzenteilen und können somit zur Schwächung der Pflanze beitragen, wenn sie in ausreichender Populationsstärke auftreten. So kann sich beispielsweise der Ampferblattkäfer (Gastrophysa viridula) unter günstigen Bedingungen massenhaft vermehren und ganze Ampferflächen kahlfressen. Besonders interessant für einen Einsatz in der Biologischen Ampferbekämpfung sind die Organsimen, die an der Wurzel der Pflanze fressen. Die vielversprechendsten Kandidaten sind die Ampferglasflügler.“

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