Ampferglasflügler – Newsletter 2/ 2016

Aktueller Stand zum Pilotprojekt AMPFER-GLASFLÜGLER (20. September 2016)

In unserem ersten Newsletter zum Thema biologische Ampfer-bekämpfung mit Ampfer-Glasflüglern in Österreich haben wir Ihnen Wissenswertes über die Biologie der beiden untersuchten Glasflügler, sowie einen Überblick über die ersten Ereignisse des laufenden Pilotprojektes gegeben. Seit dem Erscheinen des ersten Newsletters konnten wesentliche Fortschritte im Projektverlauf erzielt werden.

Neues vom Pilotprojekt

Zuletzt berichteten wir, dass die Zucht von Gelbem- und Rotem Ampfer-Glasflügler bereits in vollem Gange war, und dass sich der Großteil der im Freiland gesammelten Raupen verpuppt hatte.

Abb. 1: Ein Exemplar des Roten Ampfer-Glasflüglers (© Florian Bodner).

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung der ersten Ausgabe schlüpften in den Zuchten an der AGES und an der Uni Wien die ersten fertigen Glasflügler, wobei der Schlupf der Roten Ampfer-Glasflügler etwas früher begann als der Schlupf der Gelben. Auch unter natürlichen Bedingungen hat der Rote Ampfer-Glasflügler eine frühere Flugzeit.

Die Weibchen beider Arten begannen, nachdem sie geschlüpft waren, die Männchen mittels Pheromonen (Sexuallockstoffen) anzulocken, um so zur Paarung zu gelangen. Durch die von den Weibchen ausgesendeten Pheromone sind die Männchen in der Lage, diese zu lokalisieren. Die Männchen „riechen“ die Pheromone der Weibchen mit ihren Fühlern und fliegen diese zielgerichtet an. Nachdem die Paarung in den Zuchtbehältern stattgefunden hat, begannen die Weibchen mit der Eiablage. In der Zucht wurden bereits verpaarte Weibchen einzeln gehalten und mit Hilfe von Ampferblättern zur Eiablage angeregt. Erste Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass die Mehrzahl der Weibchen beider Glasflügler zwischen 200 und 300 Eier unter Zuchtbedingungen legen können.

Abb. 2: Ein frisch geschlüpftes Weibchen des Gelben Ampfer-Glasflüglers (© Florian Bodner).

Erste Freilandversuche

Die in der Zucht abgelegten Eier wurden abgesammelt und für erste Tastversuche auf Versuchsflächen an der LFS Hohenlehen (NÖ) und an der LFS Litzlhof (Ktn.) herangezogen. Auch einige wenige Praxisversuche auf Betrieben sowie einige Einzelpflanzen-Beimpfungen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein waren bereits möglich.

Abb. 3: Für die Beimpfung von Ampferpflanzen wurden Holzstäbchen mit Eiern beklebt. Auf dem Bild sind die schwarzen Eier des Gelben Ampfer-Glasflüglers auf den Stäbchen zu erkennen (© MELES GmbH).

Die etwa 0,5 mm kleinen, schwarz gefärbten Eier wurden für die Ausbringung vorsichtig auf Holzstäbchen geklebt. Dabei wurde ein schonender, lösungsmittelfreier Kleber schwach aufgetragen, um die Möglichkeit einer Vergiftung der Eier soweit als möglich auszuschließen bzw. die Eier nicht zu verkleben.

Anschließend wurden in den Freilandversuchen größere Ampfer-pflanzen, die bereits das typische kräftige Wurzelsystem entwickelt hatten, mit diesen „Eistäbchen“ beimpft (Abb. 4). Pro Stäbchen wurden ca. 30 Eier verwendet. So konnten heuer insgesamt rund 6500 Eier zur Beimpfung von Ampferpflanzen ausgebracht werden.

Abb. 4: Die Beimpfung der Pflanze mit einem Eistäbchen ist in der Praxis einfach auszuführen. Das Stäbchen wird dabei in einen abgeschnittenen Stängel der Pflanze oder direkt in die Mitte der Pflanze gestochen. Nach dem Schlüpfen können die Raupen zur Wurzel des Ampfers hinabwandern und sich dort hineinbohren (© MELES GmbH).

Die ausgebrachten Eistäbchen wurden für mindestens zwei Wochen in Ruhe gelassen und auf den Testflächen wurden keine Bewirtschaftungsmaßnahmen getätigt. Dieser störungsfreie Zeitraum ist wichtig, damit die Entwicklung der Eier und der Schlupf der Raupen nicht negativ beeinflusst wird. Die winzigen Larven, die im Laufe dieser zwei Wochen nach der Beimpfung aus den Eier schlüpfen, sollten sich entlang des Holzstäbchens zur Ampferpflanze bewegen und sich in die Wurzel bohren. Sind die Larven in der Wurzel, können sie durch oberirdische Bewirtschaftungsmaßnahmen nicht mehr gestört werden.

Die auf den Tastversuchen ausgebrachten Eistäbchen wurden nach dem Ruhezeitraum eingesammelt. Viele der aufgeklebten Eier wurden im Laufe der Zeit durch heftige Regenfälle abgewaschen, da der verwendete Kleber den heurigen sehr feuchten Bedingungen nicht auf Dauer standhielt. Anhand der auf den Stäbchen verbliebenen Eiern bzw. Eischalen konnte aber eine Kontrolle der Schlupfrate durchgeführt werden. Die Schlupfrate im Freiland betrug laut dieser ersten Auswertung heuer rund 80 % für den Gelben und rund 65 % für den Roten Ampferglasflügler.

Ausblick

Im Herbst 2016 werden die Wurzeln eines Teils der beimpften Ampfer-pflanzen untersucht. Dadurch soll festgestellt werden, ob die aus den Eiern geschlüpften Raupen es tatsächlich bis in die Wurzel geschafft haben, dort ihre Arbeit verrichten und die Wurzel schädigen. Im Frühjahr 2017 wird ein weiterer Teil der beimpften Pflanzen ausgegraben werden, um die Überwinterungsrate zu erheben. Die restlichen beimpften Pflanzen bleiben ungestört, um Ihre weitere Entwicklung beobachten zu können.

Die Praktikabilität und Effizienz der aktuell angewendeten Ausbring-ungsform wird durch Landwirte, die in Form von Praxisversuchen auf ihren Betrieben Erfahrungen mit der Methode sammeln können, getestet. Dies war im heurigen Jahr nur eingeschränkt möglich, da die Zucht im Aufbau ist und noch nicht genügend Eier produziert werden konnten. Im nächsten Jahr sollen die Praxisversuche ausgeweitet werden.

Weiterführung der Zucht

Mehrere hundert Eier beider Glasflüglerarten wurden für die Fortführung der Zucht von der AGES zurückbehalten. Viele dieser Eier sind bereits geschlüpft, die jungen Raupen werden momentan mit Hilfe eines Nährmediums herangezogen. Die Eier, die in dieser Zucht produziert werden, sollen für die Exakt- und Praxisversuche im Jahr 2017 verwendet werden.

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