Ampferglasflügler – Newsletter 1/ 2016

Aktueller Stand zum Pilotprojekt AMPFER-GLASFLÜGLER
(7. Juli 2016)

Die Ampferproblematik ist im österreichischen Grünland allgegen-wärtig. Auf Grund der enormen Widerstandsfähigkeit dieser Pflanze ist eine Bekämpfung schwierig, kostspielig und meist auch mit gewissen Risiken verbunden. Beispielsweise sind flächig angewandte chemische Bekämpfungsmethoden unselektiv und tragen zu einem Verlust auch jener Kräuter bei, die für den Bewirtschafter wertvoll sind. Des Weiteren stellt auch der punktuelle Herbizideinsatz für die zahlreichen, biologisch wirtschaftenden Betriebe keine Option dar, weshalb alternative und möglichst nachhaltige Methoden, die nicht auf synthetisch chemischen Wirkungsträgern beruhen, erforderlich sind.

Der Gelbe Ampfer-Glasflügler ist ein potentieller Kandidat zur biologischen Ampferbekämpfung in Österreich. © Martin Strausz

Der Einsatz von Insekten ist ein möglicher Weg das Problemunkraut ohne Chemie/Herbizide in den Griff zu bekommen.

Hierbei sind Insekten, die die hartnäckigen Wurzeln schädigen am erfolgversprechendsten. Ampfer-Glasflügler sind potentielle Kandidaten zur Dezimierung des Ampferbesatzes auf biologischer Art und Weise. Im Rahmen eines drei-jährigen, von der EU kofinanzierten Pilotprojektes, werden Ampfer-Glasflügler auf ihre Einsatzmöglichkeit im österreichischen Grünland getestet.

Das Pilotprojekt

Im Zuge der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI), einem Förderprogramm von BMLFUW, Ländern und EU zur Unterstützung von Innovationen in der Land- und Forstwirtschaft, wurde ein drei-jähriges Pilotprojekt zum Thema „Biologische Ampferbekämpfung“ bewilligt. Das Projekt befasst sich mit der Möglichkeit, den Ampfer im Grünland mittels zweier heimischer Glasflüglerarten (Roter Ampfer-Glasflügler und Gelber Ampfer-Glasflügler) zu dezimieren.
Bei den genannten Insekten handelt es sich um Schmetterlinge, deren Raupen sich in den Wurzeln von Ampferarten entwickeln. Während ihrer Entwicklung fressen die Raupen des Schmetterlings das Innere der Ampferwurzel und fügen damit der Pflanze einen beträchtlichen Schaden zu.

Der Fraßgang einer Raupe des Roten Ampfer-Glasflüglers in einer Ampferwurzel zeigt, dass die Wurzel stark geschädigt werden kann. © MELES GmbH

Durch den Raupenbefall wird zusätzlich das Eindringen von Pilzen in die Wurzel gefördert. Diese können das Absterben der Wurzeln weiter beschleunigen. Wird die Wurzel ausreichend geschädigt, sterben die Pflanzen ab oder können durch eine konkurrenzstarke Grasnarbe ver-drängt werden. Das Pilotprojekt wird den Einsatz der Ampfer-Glasflügler zur biologischen Ampferbekämpfung im österreichischen Grünland testen. Hierzu werden die genannten Glasflüglerarten gezüchtet und zur Eiablage gebracht. In Freilandtests werden Ampferpflanzen auf ausgewählten Grünlandflächen in Österreich mit Eiern der Glasflügler beimpft. Die aus den Eiern schlüpfenden Raupen verrichten dann die Arbeit, indem sie das Wurzelinnere fressen. Bei erfolgversprechenden Ergebnissen der Anwendung soll das Verfahren für die österreichische Grünland-wirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt soll zudem wichtige Erkenntnisse zur Optimierung der Zucht der Glasflügler liefern.

Projektpartner sind unter anderem: Meles – Ingenieurbüro für Biologie, Bio Austria NÖ und Wien, Bio Ernte Steiermark, Bio Austria Kärnten, AGES, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, LFS Hohenlehen, LFS Litzlhof, Uni Wien, ÖAG.

Aktueller Stand des Projekts

Die Haltung der Raupen erfolgte im ersten Zuchtdurchlauf einzeln auf Wurzelstückchen in Plastikbehältern an der AGES. © MELES GmbH

Die erste Phase des Projektes beinhaltete die Beschaffung von Raupen beider Glasflüglerarten aus natürlichen Lebensräumen. Diese bildeten die Grundlage für die Zucht und somit für den weiteren Verlauf des ganzen Projektes.

Das Sammeln der Raupen beider Glasflüglerarten war erfolgreich, sodass ausreichend große Ausgangspopulationen für den Aufbau einer Massenvermehrung bereitgestellt werden konnten. Aktuell ist die Massenvermehrung am Laufen. Die Zucht befindet sich noch in der Puppenphase, aber erste Falter beider Arten sind bereits aus den verpuppten Raupen geschlüpft. Nach der Verpaarung haben die Weibchen der roten Ampferglasflügler begonnen, Eier zu legen. Mit Spannung wird in den nächsten Tagen der Hauptschlupf der Falter erwartet. Die Eier werden eingesammelt und für die Freilandversuche eingesetzt.

Ausblick

Wurzeln sind oft mit mehreren Raupen besetzt. Große Schäden für die Pflanze sind die Folge. © MELES GmbH

Die Glasflügler-Eier werden auf Holzstäbchen geklebt und anschließend mit Hilfe dieser direkt in die kürzlich gemähten Ampferpflanzen gesteckt. So können die aus den Eiern geschlüpften Raupen in die Wurzeln eindringen und ihre Fraßtätigkeit aufnehmen. Die Entwicklung beimpfter Pflanzen wird beobachtet und die Wurzeln von ausgewählten Pflanzen werden auf die schädigende Wirkung durch die Raupen untersucht.

Anhand der Freilandtests kann eine Aussage über das Einsatzpotential (Effizienz und Praktikabilität) dieser Insekten zur biologischen Ampferbekämpfung im österreichischen Grünland getätigt werden.
Im Jahr 2016 sind erste Tastversuche an der LFS Hohenlehen, LFS Litzlhof und an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, geplant. Die tatsächliche Anzahl der Versuche im Jahr 2016 wird sich nach der Menge an zu Verfügung stehenden Glasflügler-Eiern richten.
Im kommenden Jahr 2017 sind Exaktversuche an den LFS Hohenlehen und Litzlhof und an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein sowie Praxisversuche bei interessierten, biologisch und konventionell wirtschaftenden, Grünlandbesitzern geplant.

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